„Das ist Kuba, Schätzchen!“

Gerade ist noch meine Schwester Eva zu Besuch, die für ein Semester in Mexiko DF studiert. Diese Woche waren wir einige Tage auf dem Land, wo wir nochmal ganz andere Einblicke und vor allem superschöne Ausblicke auf die (Berg-)Landschaft in der „Tabakprovinz“ Pinar del Río gekriegt haben. Dazu jedoch mehr in „Im Inneren des Landes“.

Es war die Tage nach dem Hurricane immer noch sehr stürmisch („mucho aire“, wie die Kubaner es häufig ausdrücken). Das Wasser am Malecón wurde sogar noch unruhiger und Wellen und Gischt machten die Straße am Küstenstreifen einige Tage unbefahrbar. Inzwischen hat sich das Wasser aber wieder beruhigt und gestern war wieder alles voll von Flanierern, Musikern und Familien, die in aller Ruhe den Sonnenuntergang genossen.

 

Postingprobleme

Ein Problem, was mich schon seit meiner Ankunft begleitet und eher politisch als technisch bedingt ist, ist folgendes: Inzwischen hab ich’s aufgegeben, mich auf der WordPress-Seite einloggen zu wollen – sie scheint jedes Mal mit dem Login blockiert zu werden. Ich vermute, dass dies damit zusammen hängt, dass viele kubakritische Blogs darauf gehostet werden.

Zum Glück kann man dies umgehen, indem man die Artikel per Mail postet, weshalb diese jedoch unformatiert und ohne Fotos erscheinen. Fotos an sich kann ich auch deshalb nicht hochladen, weil die Verbindungen einfach unfassbar langsam (und dabei sehr teuer) sind. Vermutlich kann ich die Fotos erst von Panama aus hochladen.

So gibt es viele dieser unsichtbaren Mauern, an die man plötzlich immer wieder stößt. Oder, wie es ein älterer Hotelangestellter formulierte, als ich ihn auf eine mögliche WordPress-Blockierung ansprach: „Esto es Cuba, cariño!” – „Das ist Kuba, Schätzchen!“

(UPDATE: Heute habe ich ein Internetcafé der staatlichen Telefongesellschaft ausfindig gemacht. Von dort lässt sich nicht nur WordPress problemlos öffnen, sondern zu meiner Verwunderung auch viele regimekritische Blogs, obwohl hier auch Kubaner das Internetangebot nutzen.)

 Unterwegs im Nachtleben

Inzwischen war wir auch aus, allerdings war das Ambiente sehr von „Jineteras“ (und -os!) dominiert, was in diesem Zusammenhang wohl größtenteils ein euphemistischer Begriff für Prostituierte ist. Obwohl offiziell verboten, ist vor allem die Kombination „älterer weißer Tourist und junge hübsche Kubanerin“ sehr alltäglich hier in Havanna. Es hatte die Tage vorher schon tagsüber manchmal einige merkwürdige Momente gegeben, wenn wir nicht eindeutig als Familie erkennbar waren und mein Vater als potenzielle Zielgruppe dementsprechend angesprochen oder gemustert wurde. Einmal fragten mich sogar zwei Mädchen, ob sie mit „dem Herrn“ sprechen dürften. Als ich sie direkt fragte, ob sie mit meinem Vater sprechen wollten, ließen sie von diesem Vorhaben jedoch wieder ab. An dem Abend in der „Casa de la Música“, wo der kubanische Sänger Paulo F.G. mit seiner Band auftrat, war die Stimmung jedenfalls ein wenig seltsam. Natürlich gab es jedoch auch „normale“ kubanische oder ausländische Paare, aber die Mehrheit der Tische war besetzt von alten Männern (oder Frauen – im Sextourismus scheint die Gleichberechtigung auf dem Vormarsch zu sein) mit jungen und ansehnlichen kubanischen Menschen. Diese ungleichen Paare kamen sich dann auf der Tanzfläche oder an den kleinen Tischen näher, an vielen Tischen saßen auch fast ausschließlich extrem aufgestylte junge Frauen, die eher nicht den Eindruck machten, als ob sie sich auf einem Mädelsabend befänden. Meine Schwester, die lange in einer kubanischen Bar in Deutschland gearbeitet hat und eine geübte – und passionierte – Salsatänzerin ist, bildete da erkennbar ein seltenes Bild für das Stammpublikum.

Nachspiel: Als wir gestern von unserer Reise nach Pinar del Rio wieder nach Havanna zurückkamen, hörten wir, dass inzwischen in genau diesem Lokal eine Razzia in bisher ungekannten Umfang durchgeführt wurde, wo es wohl sogar zu einem Schusswechsel kam – bzw. es wurde auf einen Flüchtigen geschossen, der allerdings im Auto entkam. Der Gebrauch von Schusswaffen ist in Kuba wohl eigentlich stark beschränkt, selbst Polizei und Militär dürfen nur in Lebensgefahr schießen.

Allgemein gibt es erstaunlich wenig Ausgehmöglichkeiten in Havanna (auf dem Land war es ein bisschen anders), die nicht den Ruf haben, touristendominiert zu sein. Auf Nachfrage erklärten mir Bekannte, dass es für die meisten Kubaner schlicht zu teuer sei, jedes Wochenende Eintritte und Getränke zu bezahlen und meist treffe man sich einfach zuhause, im Park oder am Malecón. Gestern waren wir auch auf einer Privatparty, wo der Rum fast pur getrunken und das Zentrum der Feier das Wohnzimmer mit Laptop und Musikanlage bildete. Häufig haben wir auch – vor allem am Wochenende – Gruppen von Jugendlichen gesehen, die sich an der Straße oder im Park treffen und mit Getränken und Musikinstrumenten selbst für Ambiente sorgen.

Bis zuletzt war es vor allem für meine Schwester sehr ungewohnt, in der Dunkelheit zu laufen. In Mexiko ist sie es gewöhnt, dass das einfach zu gefährlich ist. Mit Freunden kann sie sich nur treffen, indem man mit dem Taxi oder im Auto von Freunden zueinander fährt, obwohl alle in Laufnähe wohnen.

Nächstes Mal mehr zu unserer – wie immer – abenteuerlichen Reise mit dem Mietwagen aufs Land, die Auswirkungen des verstärkten Tourismus dort und die Gespräche, die wir hier in Havanna führten… und vielleicht schaffe ich es auch bald irgendwie, die Fotos hochzuladen oder hochladen zu lassen – hasta la vista!

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Ein Gedanke zu “„Das ist Kuba, Schätzchen!“

  1. Hm.. ich war 2009 2 Mal in Kuba. Einmal einfach so, touristisch, das zweite Mal dann bei der Familie meines Tanzlehrers – und als das dann nicht mehr gut ging, da der Neffe mich trotz schwangerer Freundin unbedingt heiraten wollte – bei der Familie meines anderen Tanzlehrers, der auch heute noch ein Freund ist – eben weil er sich mir nicht angeboten hat.
    Ich habe Havanna nicht ganz so krass erlebt, im Casa de la Musica sah ich Charanga Habanera und es kam mir so vor, als wären nur Einheimische dort. In vielen Kneipen in der Altstadt gab es zu beobachten, was Du geschildert hast, aber da waren wir nicht so häuifg.
    Insgesamt ein sehr interessantes, aber auch sehr schwieriges Land.

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