Ein kleiner Kulturschock und viele Wiedersehen

Nun bin ich schon seit einer Woche zurück in Panama, wo ich zuletzt letzten November verbracht habe. Die ersten Tage waren neben vielen schönen Momenten in vertrauten Bahnen mit vertrauten Menschen dominiert von dem krassen Unterschied zwischen Kuba und Panama. Auf der einen Seite Kuba: ein Monat der relativen Informations- und Konsumisolation, wo gefühlt alles Propaganda oder Gerücht ist und Werbetafeln in den meisten Fällen nur die Errungenschaften des Sozialismus bzw. „der Revolution“ anpreisen. Auf der anderen Seite das vor Wirtschaftswachstum strotzende Panama mit seinem alles dominierenden Konsumismus und der gleichzeitig immer präsenten Ungleichheit. Nach zwei Tagen in Panama-Stadt, wo ich mich u.a. mit einer SIM-Karte versorgte, fuhr ich Donnerstagmorgen mit dem Bus nach Volcán. Hier war die letzte Woche geprägt von den Vorbereitungen für den zweiten Nationalfeiertag (der erste ist der 3. November – die Trennung von Großkolumbien), an dem die Unabhängigkeit von Spanien mit einer langen Parade von Spielmannszügen von Schulen und privaten Gruppen aus dem ganzen Land zelebriert wird.

Erste Schritte auf bekanntem Terrain

Wie immer in den letzten Jahren gibt es in Panama-Stadt jedes Mal etwas Neues zu sehen – gigantische Hochhäuser mit fancy Glasfassaden schießen wie Pilze aus dem Boden, Straßen werden gebaut, ein U-Bahn-System ist in Arbeit und der Prozentsatz an teuren neuen Autos und teuren neuen Handys scheint von Mal zu Mal anzusteigen. Abends traf ich mich mit meiner Gastschwester Vanessa und hatte von ihrer Wohnung im 11. Stock einen beeindruckenden Ausblick auf die nächtliche Skyline der Stadt. In der Familie von Bekannten, wo ich häufig schlafe, wenn ich in „der Stadt“ bin, empfing mich ein neues Gesicht. Die vorherige Hausangestellte, die soweit ich weiß bereits mit 13 in den Haushalt kam, hatte sich mit dem Familienvater so zerstritten, dass sie das Haus mit ihrer 3jährigen Tochter verließ und nun mit ihrer Schwester in einem Hotel arbeitet. Sie kommt aber alle ein bis zwei Monate zu Besuch, so auch Mittwoch, sodass ich entschied erst Donnerstag zu fahren um sie und ihre kleine Tochter noch sehen zu können.

Reise ins Grüne

Donnerstagmorgen gings dann mit dem Taxi zum „ZOB“, wo ich mich einer Neuerung im Einlass-System konfrontiert sah. Man braucht jetzt eine aufladbare Karte, um das Drehkreuz zu den Überlandbussen zu passieren. Diese Karte gilt glaube ich auch als Zahlungsmittel in den neuen modernen Stadtbussen, die nach und nach die alten „Diablos Rojos“ (Rote Teufel) ersetzen sollen, die aufgrund ihres Zustandes und ihrer Geschwindigkeits- und Drogenanfälligen Fahrer für zahlreiche Unfälle sorgen. Die Fahrt in meine panamaische Heimatprovinz* Chiriquí war wie gewohnt vor allem lang (ca. 7 Stunden), dafür werden immer Filme gezeigt und häufig entwickeln sich interessante Gespräche mit den Sitznachbarn. Besonders ältere Leute tendieren dazu, viel von ihrer Lebensgeschichte zu teilen. Auch diesmal hatte ich eine sehr nette Rentnerin als Begleiterin, mit der ich auch in dem Restaurant auf halber Strecke zu Mittag aß. Die Busse sind dabei vertraglich an das jeweilige Restaurant gebunden. Beim Passieren der Grenze nach Chiriquí wurden (auch wie immer) die Personalausweise bzw. Reisepässe kontrolliert. Verdächtige Personen werden aus dem Bus gebeten und ihre Taschen separat durchsucht. Diesmal gab es aber keine Zwischenfälle und so erreichten wir schließlich die Provinzhauptstadt Davíd, wo ich mich sofort auf den Weg zum Bus nach Volcán machte. Ich wartete dort noch auf die Freundin bei der ich hier in Volcán immer wohne und traf währenddessen noch eine alte Schulfreundin, die ich schon seit 5 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Zusammen fuhren wir dann hoch in meine geliebten „Tierras Altas“ (Hochland), das mit seinen immergrünen Hügel- und Berglandschaften für mich auch nach all der Zeit seinen Reiz nicht verloren hat. Die bemoosten Steine und Holzzäune und die vereinzelten Nadelbäume erinnern mich (und auch meine Eltern, als sie mal mit mir hier waren) stark an Schweden. So schön die Landschaft und der Anblick des über dem Dorf thronenden Vulkans (3475m) auch ist, ist es doch auch ziemlich kalt, vor allem Nachts. Zufällig wohne ich jetzt in der Nähe einer alten Bekannten, die Ärztin ist und arbeite mit ihr inzwischen mit Antibiotika am Kurieren meiner andauernden Erkältung. Mit den motorisierten meiner Freunde habe ich auch schon einige Ausflüge gemacht, so an eine kleine Seenplatte westlich von Volcán und einem Ort ein bisschen weiter hoch, von dem man vor allem abends einen superschönen Ausblick auf das Dorf bzw. seine Lichter hat. Nächste Woche ist auch schon mein Geburtstag und meine Schwester kommt zu Besuch!

*Provinz Bundesland

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2 Gedanken zu “Ein kleiner Kulturschock und viele Wiedersehen

  1. „Beim Passieren der Grenze nach Chiriquí“: werden auch regionale Grenzübergänge überwacht, so wie z.B. zwischen Bayern und „Restdeutschland“?

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