Ein kleiner Rückblick auf Kuba

Wie in „Roter Himmel über Havanna“ erwähnt, wollte ich lieber bis zum Schluss abwarten, um mehr über die politische Situation zu sagen, da ich ja jeden Tag noch neues gelernt habe. „Wie das immer so ist“ habe ich jetzt natürlich mehr Fragen als je zuvor, so dass ich mir nicht anmaßen möchte irgendwas in Richtung eines abschließenden Urteils zu fällen – hier der Versuch, die vielen Gedanken und Widersprüche zusammenzufassen.

Zunächst ein paar unverfängliche Statements (immer basierend auf meinen -subjektiven- Erfahrungen):

  • Es stimmt, dass fast alle Kubaner im Gespräch große Unzufriedenheit am System äußern.
  • Es stimmt, dass fast alle Kubaner im Gespräch viele Errungenschaften „der Revolution“ verteidigen.
  • Es stimmt, dass viele Familie im Ausland, v.a. den USA haben, die ihnen häufig auch Geld schicken.
  • Es stimmt, dass vor allem junge Leute Auswanderungsträume hegen.
  • Es stimmt, dass das neue Reisegesetz theoretisch ab Januar die Ausreise ohne besondere Genehmigung erlaubt.
  • Es stimmt, dass die meisten Kubaner die mit einer Reise verbundenen Kosten (für Flug etc.) nicht zahlen können.
  • Es stimmt, dass eine erfolgreiche Ausreise auch davon abhängt, dass die Zielländer die Visa erteilen.
  • Es stimmt, dass die Fachkräfte (Mediziner, Lehrer, Anwälte etc.) nach wie vor warten müssen, bis sie ausreisen dürfen.
  • Es stimmt, dass ich sehr selten Menschen mit alter oder kaputter Kleidung gesehen habe (in Panama z.B. ständig).
  • Es stimmt, dass grundlegende Rechte im Bezug auf Meinungs- und (noch) Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt sind.
  • Es stimmt, dass grundlegende Rechte im Bezug auf Bildung, Gesundheit, Teilnahme am kulturellen Leben (und Sicherheit) gut und besser verwirklicht sind als in vielen anderen Ländern.
  • Es stimmt, dass es auch in Kuba so etwas wie Klassenunterschiede gibt – Villen und kleine Steinhäuschen, neue Autos oder alte Fahrräder usw.
  • Es stimmt, dass viele (vor allem junge) Kubaner auch Che-Guevara-Shirts tragen.
  • Es stimmt, dass die meisten Kubaner, mit denen ich geredet habe (unabhängig von Beruf oder Herkunft) einen überdurchschnittlich aufgeklärten und gebildeten Eindruck machten.
  • Es stimmt, dass das kulturelle Angebot sehr vielfältig und für jedermann zugänglich ist.
  • Es stimmt, dass die Kubaner auf den ersten Blick einen sehr lebensfrohen Eindruck machen.
  • Es stimmt, dass sich hinter dieser Fassade häufig eine tiefe Resignation und Hoffnungslosigkeit verbirgt.

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Che am Horizont

Nach einem Ausflug in die Botschafterwelt bin ich inzwischen schon einige Tage im etwas provinziellen, aber sehr interessanten Santa Clara. Neben Gruppen von Che-Guevara-Juengern aus dem In- und Ausland gibt es hier viele Studenten und viele Sammeltaxen in Form von Pferdekutschen. Die Hinfahrt unternahm ich trotz (oder vielleicht sogar aufgrund) vieler gegenteiliger Warnungen im Nachtzug – wieder eine Erfahrung mehr! Der Aufenthalt in Santa Clara selbst war sehr Che-lastig, ich habe aber auch ausserhalb der Monumente viele nette Begegnungen gehabt. Nun bin ich wieder zurueck in Havanna und plane meine letzte Woche, bevor es nach Panama weitergeht!

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Im Inneren des Landes

Diese Woche haben wir noch einen kleinen Roadtrip zu dritt unternommen. Dabei haben wir nochmal ein ganz anderes Kuba als das laute und weltoffene Havanna kennengelernt. Auf der sogenannten Autobahn erblickten wir einen Querschnitt der verschiedenen Fortbewegungsmittel des letzten Jahrhundertes und auf beiden Seiten faszinierende Landschaften. An unserem Zielort Viñales, dessen Bewohner sich ganz auf den Tourismus ausgerichtet haben, erlebten wir die Vorzüge einer Dachterrasse mit Pool (und Cocktail-Service) in unserer Unterkunft. Beeindruckend und auch überraschend sportlich war der Besuch der Höhle „Santo Tomás“ – die zweitgrößte von ganz Lateinamerika. Am Wochenende fuhren wir mit dem Bus an einen Strand nahe Havanna. Durch einzigartige Schönheit bestach er zwar nicht, aber Strand ist schließlich Strand (mähr)! Dort machten wir auch eine etwas verstörende Begegnung mit einem deutschen Landsmann – einem Paradebeispiel von Integrationsverweigerung..!

Aber lest selbst:

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„Das ist Kuba, Schätzchen!“

Gerade ist noch meine Schwester Eva zu Besuch, die für ein Semester in Mexiko DF studiert. Diese Woche waren wir einige Tage auf dem Land, wo wir nochmal ganz andere Einblicke und vor allem superschöne Ausblicke auf die (Berg-)Landschaft in der „Tabakprovinz“ Pinar del Río gekriegt haben. Dazu jedoch mehr in „Im Inneren des Landes“.

Es war die Tage nach dem Hurricane immer noch sehr stürmisch („mucho aire“, wie die Kubaner es häufig ausdrücken). Das Wasser am Malecón wurde sogar noch unruhiger und Wellen und Gischt machten die Straße am Küstenstreifen einige Tage unbefahrbar. Inzwischen hat sich das Wasser aber wieder beruhigt und gestern war wieder alles voll von Flanierern, Musikern und Familien, die in aller Ruhe den Sonnenuntergang genossen.

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Roter Himmel über Havanna

Während in meiner Wohnung in Berlin nach einem Einbruch die Tür beschädigt war und durch Komplikationen mit der Hausverwaltung 2 Tage nicht repariert wurde, erlebten wir hier wieder eine Menge Sachen. Der Hurrikan hat vorgestern nacht im Osten des Landes gewütet, aber laut Landesmedien (meine Schwester sagt, die mexikanischen Medien berichteten von 11 Toten) wohl keine Verletzten hinterlassen (bzw. alle wurden rechtzeitig evakuiert) und ist gestern morgen Richtung USA weitergezogen. Wegen dem schlechten Wetter (böeig mit starkem Regen), ist allerdings der Schulbetrieb eingeschränkt und bis abends war es ungewöhnlich stürmisch – und der Himmel rot gefärbt, was natürlich Anlass für einige Wortwitze gab. „Roter Himmel über Havanna“ weiterlesen

Havanna, die Widersprüchliche oder Kuba, die Grauzone

Zuallererst: Ich bin sehr gut angekommen, bin sehr glücklich hier zu sein, Havanna hat meine Erwartungen noch übertroffen und Papa und ich haben schon den ein oder anderen Mojito hoch über den Dächern der Stadt geleert.

Die ersten Stunden meiner Reise sind bereits von den vielen Widersprüchlichkeiten durchzogen gewesen, die das Leben auf und mit Kuba mit sich bringt. Häufig bewegen sich seine Bewohner am Rande (oder deutlich über die Grenze) der Legalität, weil ein absolut regelkonformes Leben aufgrund alltagsuntauglicher Regeln und geringer Löhne bzw. Lebensmittelzuteilungen schlicht unmöglich ist. „Havanna, die Widersprüchliche oder Kuba, die Grauzone“ weiterlesen